Zwischen Fachwerkwinkeln traf ich einen Holzschnitzer, der erklärte, wie alte Häuser atmen und warum manche Linien bewusst krumm bleiben. Er skizzierte die Stadt wie eine Partitur aus Jahrhunderten. Der Regionalzug zurück wartete gelassen im Plan, sodass Zeit blieb, eine kleine Figur zu kaufen – ein handgeschnitztes Andenken, warm wie die Geschichten, die er nebenbei erzählte.
Als die Glocken am Dom einsetzten, hielt die Straße kurz den Atem an. Unten glitzerte die Elbe, oben schmeckte die Luft nach Porzellanstaub und Regen. Die S-Bahn hatte mich mühelos hergebracht, der Heimweg war sicher. Ich blieb, bis der letzte Ton verflog, und merkte, wie ein Tagesausflug in einem einzigen Moment plötzlich größer wurde, als jede Planung vermuten ließ.
Die Fassaden flüsterten Filmszenen, während die Sonne in den Stein kroch. Ein Ladenbesitzer erzählte von Drehtagen und stillen Wintern, von Gästen, die bleiben wollten. Der Zug gen Westen rollte später zuverlässig an. Ich saß am Fenster, sah die Lausitz in Dämmerung verschwinden und spürte, wie Distanzen schrumpfen, wenn Geschichten reisen dürfen, statt nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken.